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Viele Orgelpfeifen

»Zinn verleiht Orgelpfeifen ihren Ton«

Stehen da, wie die Orgelpfeifen: Orgelpfeifen
Lesedauer 2 min
21. September 2026

Orgelpfeifen sind Handarbeit. Deshalb hat Orgelbauer Martin Hiltmann ein ganz besonders enges Verhältnis zum Element Zinn.

Enrico Gerharth
Von Enrico Gerharth

Trainee Evonik Communication

Orgelbauer, so sagt man scherzhaft, können alles, aber nichts davon richtig gut. Das rührt daher, dass unser Handwerk so umfangreich ist. Jede Orgel ist ein Kunstwerk für sich: Architektur und Mechanik, Statik und Akustik – damit eine Orgel am Ende gut klingt, muss alles zusammenpassen. Diese Vielfalt macht für mich die Faszination an meinem Handwerk aus. Und doch gibt es einen Werkstoff, auf den es letzten Endes ankommt: Zinn. Ohne dieses Element wäre eine Orgel nur eine schöne Maschine, aus der Wind kommt.

Martin Hiltmann steht an einer von ihm gebauten Orgel.
Martin Hiltmann ist Geschäftsführer von Orgelbau Merten in Remagen. Mit sieben Mitar­beitern entwirft, baut und wartet er Kirchenorgeln. Die Pfeifen als Herzstück des Instruments werden seit der Gründung im Jahr 2003 in einer hauseigenen Manu­faktur hergestellt.

Eine Legierung aus Zinn und Blei gibt der Orgelpfeife ihre Schwingung und verleiht ihr einen weichen, voluminösen Ton. Wir mischen die Legierung im Schmelztiegel und gießen sie zunächst in Platten. Dabei entsteht eine kristalline Struktur. Für sichtbare Pfeifen gebe ich mehr Zinn in die Mischung, damit sie schön glänzen. Schönheit ist aber nicht alles: Zu viel Blei lässt Pfeifen nach Jahren ihre Form verlieren, zu viel Zinn verfälscht den Klang. Die richtige Mischung ist entscheidend, und aus rund 100 Legierungen wähle ich für jede Pfeife genau die­jenige, die ihre Klangfarbe prägt. Es kommt auf feine Unterschiede an, weshalb Erfahrung ebenso wichtig ist wie konstante Qualität und Präzision von Anfang an.

Das Erfolgsgeheimnis bei der Arbeit mit Zinn liegt jedoch nicht nur in der handwerklichen Sorgfalt: Es liegt in häufigen Wieder­holungen und in der Geduld. In einer durchschnittlichen Kirchenorgel stecken rund 2.500 Pfeifen, jede davon ist individuell gefertigt. Ich löte sie und rundiere sie mit einem Klopfholz. Mit der Hand schneide ich an der richtigen Stelle den Stimmschlitz hinein und bringe sie so „zum Sprechen“. Für jede Pfeife sind 151 Arbeitsschritte nötig. Das kann sich repetitiv und monoton anfühlen. Manch einer bleibt deshalb lieber beim Holz oder bei der Planung am Computer.

Ein ganz besonderer Moment ist es für mich, eine Orgel, an der ich mitgearbeitet habe, zum ersten Mal zu hören. Ihr Klang zeugt von all der Erfahrung und der Hingabe, die in ihren Bau geflossen sind. Darin stecken die Eigenschaften des Metalls, das ich gegossen habe, die Gewissenhaftigkeit jedes Handgriffs. Die Pfeifen sind das Herz jeder Orgel – und Zinn ist deshalb mein Element.

Stimmschlitze von Orgelpfeifen