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"Dieses Blau ist himmlisch!"

Lesedauer 2 min
05. Januar 2026

Ein Blau mit über 1000-jähriger Geschichte, das durch Brom-haltige Verbindungen einzigartig wird: Für die Ptil Tekhelet Association in Jerusalem ist es unabdingbar, um den jüdischen Gebetsschal auf traditionelle Art zu produzierten - als einzige weltweit. Physiker und Elektrotechniker Baruch Sterman erklärt die Hintergründe.

Nadine Albach
Von Nadine Albach

Redakteurin und Moderatorin

In dieses kleine Meerestier hat die Natur ein Chemielabor gepackt: Die Stumpfe Stachelschnecke produziert drei Moleküle, Indigo, Monobromindigo und Dibrom­indigo. Durch diese Kombination des Pigments Indigo mit seinen bromhaltigen Verbindungen entsteht das Blau, das für die jüdische Kultur sehr wichtig ist. Ein himm­lisches Blau! Wir nennen es Tekhelet.

Baruch Sterman steht in der Färberei und hat ein Bündel blau-weißer Gebetsfäden in den Händen. Hinter ihm hängen weitere Bündel.
Der Physiker und Elektrotechniker Baruch Sterman arbeitet als Führungskraft in der israelischen Hightech-Brancheund hält mehr als 30 Patente in den Bereichen Optik, Sprachtechnologie und Computersicherheit. Der Mitgründer der gemeinnützigen Organisation Ptil Tekhelet gilt als Experte für das antike Blau und hat mit seiner Frau Judy Taubes Sterman ein Buch darüber veröffentlicht. Er lebt mit ihr und den sieben gemeinsamen Kindern im israelischen Efrat.

Als mich Rabbi Eliyahu Tavger vor gut 30 Jahren ansprach, kannte ich die Schnecke nur vom Tauchen. Seit 1991 produziert unsere Organisation in Jerusalem als einzige weltweit die mit Tekhelet gefärbten, blau-­weißen Schaufäden für den jüdischen Gebetsschal und gibt das Wissen über die Farbe weiter.

Jeder Jude kennt die Tora-Passage, die uns verpflichtet, diese Fäden ans Gewand zu binden, um uns an Gottes Gebote zu erinnern. Das Wissen, wie unsere Vorfahren sie in der Antike gefärbt haben, ist jedoch verloren gegangen. Erst im 19. Jahrhundert wurde die im Mittelmeer lebende Schnecke, biologischer Artname Hexaplex (oder Murex) trunculus, als Quelle der Farbstoffe identifiziert.

Das Problem: Sie liefert Purpur – kein Blau. Der Durchbruch gelang dem israelischen Chemiker Otto Elsner in den 1980ern. Er entdeckte, dass es zu einer Oxidation kommt, wenn er die Lösung im Färbeprozesses dem Sonnenlicht aussetzt. So entsteht das Blau.

Stumpfe Stachelschnecken auf einem Marktstand, ihre Schneckenhäuser sind ganz unterschiedlich gefärbt.

1988 gelang es Rabbi Eliyahu Tavger, die Fäden so zu färben, wie es einst unsere Vorfahren taten. Der Prozess war jedoch ineffizient. Also nahm ich eine Auszeit von der Hightech-Branche. Ich habe einen Doktor in Physik und hatte viel über Infrarotspektro­skopie und das Verhalten von Molekülen gelernt. So wusste ich, wie das Licht mit den Molekülen der Schnecke interagiert. Ich entwickelte eine effiziente Färbemethode, und das mit Erfolg: Wir haben bereits mehr als 300.000 Fäden in rund 70 Länder verkauft.

Früher waren das Purpur und das Blau der Schnecken viel mehr wert als Gold – nur die Elite durfte die Pigmente verwenden. Heute kann jeder die Tekhelet-Fäden tragen. Sie erinnern an den Himmel und daran, nach dem zu streben, was außerhalb unserer Reichweite liegt. Auch das Blau in der israe­lischen Fahne ist von Tekhelet inspiriert.

Teil dieser Geschichte zu sein, ist ein Geschenk.

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