Server Infos
Server:
Server IP:
Environment:
Authorized User:
cm-p115160-e1228952-aem-publish-5fb8845d9c-fllf5
172.22.9.38
publish,local
Alexander Fleming in seinem Labor.

Gefährliche Resistenzen

Alexander Fleming in seinem Labor.
Lesedauer 2 min
10. Juni 2026

Die Entdeckung der Antibiotika hat die Medizin revolutioniert – und zugleich den Keim für eine globale Krise gelegt. Denn immer häufiger lassen sich Bakterien mit den verfügbaren Mitteln nicht mehr bekämpfen.

Sina Horsthemke
Von Sina Horsthemke

Wissenschaftsjournalistin in München. Die Diplombiologin schreibt vor allem über Gesundheitsthemen. und Biotechnologie

Hätte Alexander Fleming 1928 vor seinem Urlaub das Labor aufgeräumt, wären Antibiotika nicht so bald entdeckt worden. Doch so fand der Londoner Mediziner und Bakteriologe nach seiner Rückkehr eine verschimmelte Petrischale vor. Erstaunt stellte er fest, dass in der Nähe des Schimmel­pilzes Penicillium notatum keine Bakterien wuchsen. Schied die blaugrüne ­Mikrobe etwas aus, das die Einzeller hemmte, eine antibakterielle Sub­stanz? Fleming ging der Sache nach – und gilt seit der Veröffentlichung seiner Forschungsergebnisse 1929 als Entdecker des ersten Antibiotikums der Welt. Es dauerte noch mehr als zehn Jahre, bis es Howard Florey und Ernst Boris Chain gelang, sein „Penicillin“ so aufzubereiten, dass man es Kranken spritzen konnte. Doch schon 1943 produzierten Pharmafirmen den Wirkstoff tonnenweise. Das rettete Tausende Leben, denn mit Penicillin ließen sich erstmals Infektionen heilen, die zuvor oft tödlich endeten.

Für ihre Arbeit verlieh man Fleming, Florey und Chain 1945 den Nobelpreis für Medizin. In seinem Festvortrag warnte Fleming: „Eine Gefahr könnte in einer Unterdosierung liegen. Es ist nicht schwierig, Mikro­ben gegen Penicillin resistent zu machen, indem man sie Konzentrationen aussetzt, die nicht reichen, um sie zu töten.“

Jedes Antibiotikum hemmt zwar die meisten Bakterien, gegen die es gerichtet ist. Doch manchmal überleben welche – wenn sie aufgrund einer zufälligen Mutation resistent sind – und vermehren sich. Zudem sind Bakterien in der Lage, Gene untereinander auszutauschen. Das führt dazu, dass sich Resistenzen schnell verbreiten können. Mitunter entwickeln Keime eigene Resistenzmechanismen. Sie schaffen es etwa nach einiger Zeit, das Antibiotikum abzubauen oder aus ihrer Zelle zu transportieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass resistente Keime entstehen und sich ausbreiten, wächst, je mehr und je häufiger Antibiotika zum Einsatz kommen.

Portrait von Alexander Fleming in seinem Labor

Nach Flemings Penicillin wurden zwischen 1940 und 1970 noch zahlreiche weitere Antibiotika entwickelt; inzwischen gibt es mehr als 80 Wirkstoffe. Doch die einst scharfe Waffe gegen krank machende Bakterien ist abgestumpft, weil sich die Mittel immer häufiger als wirkungslos erweisen: Aufgrund des inflationären oder oft falschen Antibiotika-Einsatzes in der Humanmedizin und Nutztierhaltung haben sich viele Keime mit der Zeit verändert und sind gegen die einst wirksamen Sub­stanzen resistent geworden.

Bereits jetzt gibt es gegen jede sechste bakterielle Infektion kein Antibiotikum mehr, jährlich sterben deshalb rund 1,3 Millionen Menschen (siehe auch Data Mining). Seit 2022 wertet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Antibiotika­resistenzen als „globale Bedrohung“ – auch weil die Entwicklung neuer Sub­stanzen hinterherhinke. Resistenzen seien „schneller als die Fortschritte der modernen Medizin und bedrohen die Gesundheit weltweit“, warnt WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Fünf historische Penicillin Flaschen

Es beginnt beim Bakterium

Wie sich Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln

1.


Im Körper (und anderswo) leben „gute“ Bakterien, die vor Krankheiten schützen, schädliche Bakterien, die krank machen, und wenige zufällig resistente Bakterien.

Alternativbild

2.

Ein Antibiotikum tötet fast alle Bakterien ab, die „guten“ und die krank machenden. Die zufällig resistenten Bakterien jedoch überleben.

Alternativbild

3.

Die resistenten Bakterien können sich ungehindert vermehren, das Antibiotikum macht ihnen nichts aus.

Alternativbild

4.

Die resistenten Bakterien können sich ungehindert vermehren, das Antibiotikum macht ihnen nichts aus.

Alternativbild