Die klinische Studie, die die US-Aufsichts- und Zulassungsbehörde FDA Anfang dieses Jahres genehmigt hat, könnte nicht weniger als eine medizinische Revolution auslösen. Das Unternehmen Life Biosciences darf an menschlichen Probanden eine Gentherapie erproben, die für bestimmte Zellen ein Ende des Alterns bedeuten könnte. Das Medikament ER-100 zielt darauf ab, überalterte Zellen im Sehnerv zu verjüngen. So soll das bislang irreversible Erblinden durch den grünen Star oder den sogenannten Augeninfarkt (nicht arteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie) rückgängig gemacht und damit heilbar werden. Gemeinsam ist beiden Erkrankungen, dass sie auf altersbedingte Zellschädigungen zurückzuführen sind.
Einer der Gründer von Life Biosciences ist der Harvard-Professor David Sinclair. Der Biochemiker und Molekulargenetiker gilt als einer der bekanntesten Forscher auf dem Gebiet der Alterungsprozesse. Seit Jahren sorgt er mit kühnen Aussagen über die Zukunft der Altersforschung für Aufmerksamkeit – zuletzt auf dem World Governments Summit in Dubai. Dort kündigte Sinclair nicht nur die klinische Studie zu ER-100 an, sondern prognostizierte auch, dass heutige Therapien in zehn bis 20 Jahren veraltet wirken werden: Statt Krankheiten auf klassische Weise zu heilen, werde sich die Medizin darauf konzentrieren, das Altern zu verhindern oder sogar rückgängig zu machen.
Blinde Affen sehen wieder
Sinclair und sein Team bezeichnen ihre Gentherapie-Technologie als „partielle epigenetische Reprogrammierung“. Sie basiert auf den „Yamanaka-Faktoren“: 2006 zeigte der japanische Stammzellenbiologe Shinya Yamanaka, dass vier bestimmte Proteine adulte Zellen in einen stammzellähnlichen Zustand zurückversetzen können. Diese Entdeckung, 2012 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, ebnet den Weg für zahlreiche stammzellbasierte Therapieansätze. Forscher wie David Sinclair gehen einen Schritt weiter und verfolgen diese Idee: Werden die Faktoren nur kurzzeitig aktiviert und dann wieder abgeschaltet, könnten Zellen womöglich verjüngt werden, ohne vollständig in einen Stammzellzustand zurückzufallen. In Tierversuchen erwies sich dieser Ansatz als äußerst erfolgreich – bei blinden Primaten konnte die Sehkraft wiederhergestellt werden.
Die ersten Ergebnisse der klinischen Studie am Menschen liegen voraussichtlich bereits in wenigen Monaten vor. Sollten sie positiv ausfallen, könnte dies den Beginn einer neuen Ära markieren: eines Zeitalters der präventiven Medizin, in dem Krankheiten gar nicht erst entstehen. Nach der Behandlung des Sehnerven ist der nächste Schritt bei Life Biosciences bereits geplant: Als Nächstes möchte man die Leber angehen, danach sollen weitere Organe folgen – bis man irgendwann vielleicht den ganzen Menschen verjüngen kann.
Ein guter Grund für Foresight, dieses Thema im Rahmen des Projekts „GameChanger 2035“ näher zu analysieren. Evonik ist bereits heute gut für die Medizin der Zukunft aufgestellt. Der Konzern verfügt über umfassende Erfahrung bei Lipidnanopartikeln und der Nanopartikel-Prozessierung – Schlüsseltechnologien, mit denen die Wirkstoffe moderner Gentherapien gezielt, sicher und in der richtigen Dosierung an ihren Wirkort transportiert werden. Darüber hinaus ist Evonik bereits im Forschungsfeld der Epigenetik aktiv. Diesen Vorsprung gilt es weiter auszubauen.
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