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Wo sitzt die KI bald mit am Tisch?

Lesedauer 3 min
24. August 2026

Künstliche Intelligenz dringt immer tiefer in unseren Alltag vor. Sie verändert Jobs, die Politik und sogar das Seelenleben. In Zukunft wird sie sämtliche Bereiche der Gesellschaft durchdringen. Daher hat das Foresight-Team von Evonik die Auswirkungen dieses Gamechangers analysiert.

Björn Theis
Von Björn Theis

Leiter Foresight von Evoniks Innovationseinheit Creavis

Manchmal kommt Fortschritt sehr teuer. Anfang Februar stellte das US-Unternehmen Anthropic, eines der führenden Start-ups auf dem Feld der künstlichen Intelligenz, neue Funktionen seiner Assistenzsoftware Cowork vor. Sie kann nun ganze Aufgabenpakete mehr oder weniger selbstständig übernehmen: etwa programmieren, Compliance-Prozesse überwachen oder juristische Gutachten erstellen. Die Folge: Innerhalb eines Tages wurden rund 285 Milliarden US-Dollar an der Börse vernichtet – denn Investoren stießen Aktien von Unternehmen ab, denen Cowork die Basis entziehen könnte.

Statt dem Menschen bloß zu assistieren, zielt Cowork darauf, anspruchsvolle Tätigkeiten zu substituieren. Etwas, das selbst den Anthropic-Chef beunruhigt: Dario Amodei warnt, dass KI-Anwendungen in wenigen Jahren rund 50 Prozent aller Einstiegsjobs im Büro- und Verwaltungsbereich überflüssig machen könnten.

Die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz ist eine der Entwicklungen, die das Foresight-Team von Evonik im Rahmen des Projekts „GameChanger 2035“ tiefgreifend analysiert hat. Im Fokus stehen disruptive Entwicklungen und Erfindungen mit dem Potenzial, wirtschaftliche, militärische und soziale Strukturen grundlegend zu verändern. Für KI gilt das allemal.

Adrio Amodei bei einer Podiumsdiskusion

Künstliche Intelligenz als Ministerin

Bereits heute besetzen künstliche Intelligenzen prestigeträchtige Jobs. So wurde der albanische Chatbot Diella 1.0 Anfang 2025 zur Ministerin für künstliche Intelligenz berufen. Die Nachfolgeversion Diella 2.0, die nicht nur Text, sondern auch Stimme versteht und deren Avatar in albanischer Tracht auftritt, ist mehr als ein PR-Gag. Schrittweise soll sie die Zuständigkeit über öffentliche Ausschreibungen übernehmen und dafür sorgen, dass Vergabeverfahren frei von Korruption sind.

Dass die Einführung neuer Technologien jedoch zuweilen auch Reibungen verursacht, zeigt die Klage der Schauspielerin Anila Bisha, die nach eigener Aussage nicht um Erlaubnis für die Verwendung ihrer Stimme und ihres Konterfeis gebeten wurde.

Selbst in sensiblen Bereichen wie der Psychologie erhält die KI Einzug. Bisher nicht unmittelbar am Patienten, aber in Versuchen mit aufgezeichneten Gesprächen kamen die Maschinen schon zu Antworten und Ergebnissen, die die menschlichen Therapeuten tief beeindruckten – weil sie besser waren. Auch in die Schlafzimmer dringt die künstliche Intelligenz vor. So steht ChatGPT kurz vor der Einführung eines „Erwachsenenmodus“. Damit soll es Volljährigen möglich sein, erotische Gespräche mit dem Chatbot zu führen – immer mehr Kunden wünschten sich so ein Feature, heißt es beim ChatGPT-Betreiber Open AI.

AI-generiertes Bild einer Frau in albanischer Tracht
Ein Cartoon zeigt einen Roboter als Psychoanalysten
Mit der KI auf der Couch: Und wie fühlen Sie sich dabei? Sogar in der Psychotherapie kommt KI bereits zum Einsatz.

Labors ohne Menschen

Die Beispiele zeigen: KI-Anwendungen sind ein wahrer Gamechanger, der sich mit rasanter Geschwindigkeit in alle Bereiche des Lebens verbreitet. Schon bald werden KI-Systeme auch in großem Stil in der Chemie­industrie zum Einsatz kommen – etwa in der Forschung, wie es das A-Lab am Lawrence Berkeley National Laboratory in Kalifornien vormacht. Das A steht für „autonom“: Um die Synthese neuer Materialien zu beschleunigen, lässt man hier eine künstliche Intelligenz eigenständig ein ganzes Labor führen. Sie überlegt sich Experimente, führt sie durch und analysiert die Ergebnisse –rund um die Uhr, ohne menschliches Eingreifen und 50- bis 100-mal so schnell wie Menschen.

Das Foresight-Team evaluiert, wann und bei welchen Aufgaben solche Systeme in Zukunft die Innovationskraft von ­Evonik steigern können. Denn eines ist sicher: Auch in der Forschung wird KI die Spielregeln ­verändern. 

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