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Mensch und Maschine

Lesedauer 3 min
20. November 2024

Hochtechnisierte Helfer, die uns dienend zu Seite stehen und jede Aufgabe schnell und klaglos erledigen – diese Fiktion könnte schon bald Realität werden. Es bricht das Zeitalter der humanoiden Roboter an.

Björn Theis
Von Björn Theis

Leiter Foresight von Evoniks Innovationseinheit Creavis

Die griechischen Götter ließen es sich gut gehen. Tagein, tagaus ­wurden sie bedient, und zwar von menschenähnlichen „Automatons“, gefertigt von ­Hephaistos, dem Götterschmied. Der gött­liche Bedarf an diesen Maschinen­wesen war so groß, dass die Herstellung einer Serienproduktion glich. So berichtet Homer in der „Ilias“ von einem Besuch der Meeresgöttin Thetis bei Hephaistos, der gerade dabei ist, Beine für gleich 20 dieser Diener herzustellen. Man kann also sagen, dass der Götterschmied der Erfinder dessen ist, was wir heute Roboter nennen.

Angepasst an die Menschenwelt

Heute kommen Millionen von Robotern zum Einsatz, vor allem in der industriellen Produktion, aber zunehmend auch in Privathaushalten. Sie haben gemein, dass sie meist nur für eine Aufgabe konstruiert wurden, etwa zum Staubsaugen. Von den multifunktionalen Götterdienern sind sie weit entfernt. Noch. Gleich mehrere Unternehmen möchten den Traum von mechanischen Helfern, die unterschiedliche Dinge selbstständig erledigen können, realisieren. Hierfür konstruieren sie Roboter, die uns Menschen ähneln. Die Idee dahinter: Humanoide Roboter wären perfekt an unsere Menschenwelt angepasst und könnten jedes Werkzeug genauso gut bedienen wie wir selbst.

Ganz weit vorn in der Entwicklung eines solchen Helfers ist das US-amerikanische Unternehmen Figure. Sein Robotermodell Figure 02 ist 1,68 Meter groß, wiegt 70 Kilo, kann mit einer Akkuladung circa fünf Stunden lang arbeiten und 20 Kilo befördern. Kostenpunkt: circa 130.000 US-$. In China arbeitet man auf Hochtouren an einem ähnlichen Konzept: Der Human 1 des Herstellers Unitree ist mit einem angedachten Preis von circa 90.000 US-$ deutlich günstiger als sein amerikanischer Konkurrent, dafür ist er bloß 1,20 Meter groß, 35 Kilo schwer und kann nur Lasten bis zu drei Kilo bewegen.

Der goldene Kopf von C3PO

Erst in die Fabrik, dann ins Heim

Sogar Tesla investiert in Humanoide. Erst kürzlich gab der E-Auto-Hersteller bekannt, dass die zweite Generation seiner Optimus-Roboter erste Testarbeiten in einem Fahrzeugwerk aufgenommen hat. Figure 02 betätigt sich bereits bei BMW versuchsweise im Karosseriebau, während Mercedes den Einsatz humanoider Roboter in der Logistik erprobt. Noch weiter ist das US-amerikanische Unternehmen GXO Logistics. Dort sind humanoide Roboter bereits in den laufenden Betrieb eingebunden.

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Der Preis für die Helfer sinkt von Generation zu Generation. Der Tesla-Roboter Optimus G2 soll weniger als 30.000 US-$ kosten und richtet sich damit auch an Privatleute. Bevor Roboter routinemäßig Hausarbeiten übernehmen, wird jedoch noch einige Zeit vergehen ‒ die Vielzahl der Aufgaben vom Abwasch bis zum Fensterputzen überfordert derzeit selbst die leistungsstärksten Modelle. Der potenzielle Markt für Humanoide ist dennoch gigantisch, Analysten von Goldman Sachs schätzen, dass er bereits 2035 ein Volumen von 38 Milliarden US-$ erreichen wird und in den Dekaden danach den Automobilmarkt überholen könnte. Ein guter Grund für das Foresight-Team, das Thema im Rahmen des Fokusthemas „Game Changer 2035“ genauer zu betrachten. Denn wenn es in Zukunft Heerscharen mechanischer Menschendiener geben soll, braucht es jede Menge spezialchemischer Innovationen. 

Ein humanoider Roboter reinigt ein Wohnzimmer.