Herr Shah, Pyrolyseöl gilt oft als Schlüsselfaktor der Kreislaufwirtschaft – wo stehen wir heute bei der Einführung im industriellen Maßstab, und was sind die größten Hürden für weiteres Wachstum?
Die Pyrolyse ist längst über das rein Experimentelle hinaus. Es gibt bereits Industrieanlagen im Betrieb, und entlang der gesamten Wertschöpfungskette gibt es ein klares Bekenntnis, die Mengen zu steigern. Im Vergleich zum gesamten Kunststoffmarkt stehen wir jedoch noch ganz am Anfang – recycelte Einsatzstoffe machen heute nur einen kleinen Teil der Gesamtproduktion aus.
Für eine breite Einführung müssen wir die strengen Spezifikationen bestehender Anlagen wie etwa Steamcracker zuverlässig erfüllen.
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Anders gesagt: Beim Skalieren der Pyrolyse geht es weniger darum, neue Kapazitäten aufzubauen, sondern vielmehr darum sicherzustellen, dass das Produkt stabil, vorhersagbar und mit der heutigen Infrastruktur kompatibel ist.
»Weil unsere Lösungen als modulare Systeme ausgelegt sind, lassen sie sich häufig mit relativ geringem Anpassungsaufwand in bestehende Anlagen implementieren«
Nirav Shah Global Director Re-refining & Re-cycling, Houston, Texas.
Evonik positioniert Purocel als spezialisierte Adsorbentien und Katalysatoren zur Aufbereitung von Pyrolyseöl. Wodurch unterscheidet sich Ihre Technologie von anderen Ansätzen am Markt, und welchen konkreten Nutzen bietet sie Raffinerien und Chemieunternehmen?
Der entscheidende Unterschied ist, dass wir uns sehr gezielt auf die Verunreinigungen konzentrieren, die den Einsatz von Pyrolyseöl in nachgelagerten Prozessen begrenzen. Steamcracker-Betreiber arbeiten mit sehr engen Qualitätsanforderungen, sodass schon geringe Mengen an Kontaminanten problematisch sein können.
Mit unserer Purocel-Technologie kombinieren wir katalytische Schritte und Adsorption, um diese Verunreinigungen effizient zu entfernen. Eine unserer Lösungen spaltet zum Beispiel Chlorid aus organischen Verbindungen ab und adsorbiert es anschließend – damit können wir deutlich mehr Chloride entfernen als mit herkömmlichen Ansätzen. Zusätzlich bieten wir Lösungen, um Silizium sehr effektiv zu entfernen – und das ohne Hydrierung.
Für unsere Kundinnen und Kunden ist der Nutzen sehr praktisch: Sie können Pyrolyseöl zuverlässiger in bestehende Prozesse integrieren, ohne Sicherheit oder Leistung zu beeinträchtigen. Und weil unsere Lösungen als modulare Systeme ausgelegt sind, lassen sie sich häufig mit relativ geringem Anpassungsaufwand in bestehende Anlagen implementieren und zudem flexibel schnell hochskalieren.
Viele Unternehmen nennen chemisches Recycling als Lösung der Zukunft. Wie ist aus Ihrer Sicht die wirtschaftliche Perspektive – wann wird Pyrolyseöl auch ohne regulatorische Unterstützung mit fossilen Einsatzstoffen wettbewerbsfähig sein?
Derzeit sind Wirtschaftlichkeit und Technologie eng miteinander verknüpft. Hochwertiger Einsatzstoff ist entscheidend, und um diese Qualität zu erreichen, sind nach wie vor zusätzliche Verarbeitungsschritte erforderlich. Das wirkt sich auf die Kosten aus.
Wir sehen jedoch bereits, dass eine Verbesserung der Qualität von Pyrolyseöl – sodass es in Standardinfrastrukturen eingesetzt werden kann – die Komplexität reduziert und das Gesamtsystem effizienter macht. Technologien, die eine bessere Reinigung und Integration ermöglichen, sind daher ein zentraler Hebel zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit.
Langfristig wird die Wettbewerbsfähigkeit aus einer Kombination von Skalierung, verbesserter Prozesseffizienz und besserer Einbindung in bestehende Wertschöpfungsketten entstehen. Je mehr wir Pyrolyseöl wie einen Standard-Einsatzstoff behandeln können, desto näher rücken wir an diesen Wendepunkt heran.