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Recycling mit Energie aus Sonne und Wind

Lesedauer 4 min
26. Januar 2026

Bei der Herstellung von nachhaltigem Biodiesel sind Alkoholate schon heute zentral. Künftig sollen sie auch beim chemischen Recycling eine wichtige Rolle spielen. In Singapur produziert Evonik die Katalysatoren seit kurzem klimaneutral in einer weltweit einzigartigen Anlage. Dafür hat der Konzern den EuroCham Sustainability Award 2025 für Innovationen in der Dekarbonisierung erhalten.

Nadine Albach
Von Nadine Albach

Redakteurin und Moderatorin

Die Anlage auf Jurong Island in Singapur ist die weltweit erste ihrer Art, die Netto-Null-Emissionen in den Kategorien Scope-1 und -2 erreicht. Sie läuft vollständig mit erneuerbaren Energien und erfüllt höchste Sicherheits- und Umweltstandards.

Im Zentrum steht eine patentierte Technologie zur mechanischen Brüdenverdichtung: „Das Verfahren ersetzt den Einsatz von externem Dampf und reduziert den CO₂-Fußabdruck der Anlage im Vergleich zu ähnlichen Einrichtungen in Amerika um 76 Prozent“, erklärt Seng Ee Teo, Leiter Produktion & Technologie des Geschäftsgebiets Catalysts in Singapur.

Drohnenbild einer Chemieanlage mit zwei hohen Kolonnen.

Die innovative Technologie wurde eigens für die Anlage in Singapur entwickelt: Sie nutzt die Brüden, also den Dampf, der im Produktionsprozess entsteht, um Energie zurückzugewinnen und wiederzuverwenden. Die Brüden, die normalerweise kondensieren und als Abwärme verloren gingen, werden durch mechanische Kompression auf ein höheres Druck-Temperaturniveau gebracht. Diese verdichteten Brüden werden zurück in den Prozess geleitet und dienen erneut als Wärmequelle, so dass deutlich weniger externe Energie nötig ist.

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„In Kombination mit der Nutzung erneuerbarer Energie zeigt die Anlage, wie fortschrittliche Ingenieurstechnik praktische und skalierbare Lösungen für die industrielle Dekarbonisierung liefern kann“, sagt Alexander Weber, Leiter des Geschäftsgebiets Catalysts. „Damit trägt sie dazu bei, die übergeordneten Nachhaltigkeitsziele von Evonik zu erreichen.“

Auszeichnung für Innovation

Die Anlage erhielt Ende 2025 den „EuroCham Sustainability Award“ für Innovationen in der Dekarbonisierung. Der Preis ist Bestandteil des EuroCham Sustainovation-Programms – einer Initiative der European Chamber of Commerce Singapur, die Unternehmen aus Europa und Singapur für herausragende Nachhaltigkeitsprojekte auszeichnet. Gewinner in anderen Kategorien waren beispielsweise DHL und Philips.

„Die Auszeichnung bestätigt, dass unser Ansatz richtig war – insbesondere die konsequente und disziplinierte Zusammenarbeit über alle Funktionen hinweg. Dadurch konnten wir zeigen, dass eine komplexe chemische Produktion deutlich höhere Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllen kann, ohne die Betriebssicherheit zu beeinträchtigen“, so Seng Ee Teo. Die Anlage trägt zudem zur Verwirklichung des „Singapore Green Plan 2030“ bei, mit dem die Regierung beispielsweise die Einführung sauberer Energien beschleunigen und Singapur als Zentrum für nachhaltige Produktion positionieren will.

Mit der strategischen Lage in Südostasien vervollständigt Evonik sein globales Produktionsnetzwerk für Alkoholate, das bereits Standorte in Deutschland, den USA und Argentinien umfasst, und bedient die wachsende Nachfrage nach Alkoholaten in Asien. 

Die Trophäe: Eine bunte geometrische Figur auf Holzsockel.

EuroCham Singapur

Die European Chamber of Commerce Singapur, kurz EuroCham Singapur, vertritt seit 2001 die Interessen der europäischen Wirtschaft in Singapur und ermöglicht den Austausch zu politischen und wirtschaftlichen Themen. Die Mitglieder der nicht-gewinnorientierten Organisation setzen sich aus Wirtschafts- und Handelsorganisationen verschiedener europäischer Länder sowie Unternehmensmitgliedern zusammen.

Ein Gruppenbild mit 10 Personen und Preis.
Die Preisträger der EuroCham Singapur

Alkoholate kommen bislang insbesondere bei der Herstellung von nachhaltigem Biodiesel zum Einsatz. Sie optimieren den Prozess so, dass die Ausbeute möglichst hoch ist. Konkret werden die Alkoholate als Katalysatoren in einer chemischen Reaktion genutzt, die bekannt ist als Transesterifizierung oder auch Umesterung. Dabei reagieren Triglyceride aus pflanzlichen Ölen, gebrauchten Speiseölen oder anderen fetthaltigen Abfallstoffen mit einem Alkohol (meist Methanol) zu Fettsäuremethylester (FAME) – das ist der chemische Name für Biodiesel. Die Katalysatoren beschleunigen die Reaktion, die ansonsten sehr langsam oder gar nicht ablaufen würde, und sorgen dafür, dass die Umwandlung der Triglyceride in Biodiesel nahezu vollständig erfolgt. Die Alkoholate sind also maßgeblich für die Effizienz und Wirtschaftlichkeit der Produktion, bei der Abfallstoffe wieder zu wertvollen Energiequellen werden.

Die Experten von Evonik erwarten, dass sie in Zukunft auch beim chemischen Recycling von Polyethylenterephthalat (PET)-Kunststoffen eine Schlüsselrolle übernehmen. Und zwar bei der PET-Methanolyse, ebenso eine Umesterung: In diesem Fall wird das PET-Rohmaterial mit Methanol und Alkoholaten wie Natriummethylat als Katalysator versetzt und erhitzt. So kann das PET in seine Monomere zerlegt werden: Dimethylterephthalat (DMT) als Hauptprodukt und Ethylenglykol (EG) als Nebenprodukt. Diese Monomere können anschließend gereinigt und zur Herstellung von neuem PET wiederverwendet werden. 

Drei Männer in Arbeitsausstattung mit verschränkten Armen vor den Kolonnen der Anlage.

Strategische Partnerschaft für PET-Recycling

Evonik hat 2025 eine strategische Partnerschaft mit Oerlikon Barmag bekannt gegeben, um das chemische Recycling von PET-Abfällen voranzutreiben. Der in Remscheid ansässige Hersteller von Maschinen und Anlagen verfügt über Know-How im Bereich der Polymerverarbeitung, während Evonik seine Expertise zu chemischen und katalytischen Technologien einbringt. Gemeinsam wollen sie Technologien zur Depolymerisation, Reinigung und Repolymerisation von PET entwickeln. Diese sollen bis zum Ende des Jahrzehnts in ein integriertes, industrietaugliches Gesamtkonzept fließen. Ziel ist es, stark verunreinigte oder gemischte PET‑Ströme verwerten zu können.

„Unsere Katalysatoren sind ein zentraler Nachhaltigkeitstreiber“, fasst Alexander Weber zusammen. „Sie unterstützen die Ziele von Evonik, führend in Bereichen wie Energiewende und Kreislaufwirtschaft zu sein.“

Nachhaltigkeit bei Evonik

Evonik hat Nachhaltigkeit im Rahmen von Next Generation Evonik zu einem integralen Bestandteil wesentlicher Kernprozesse gemacht und sich ambitionierte Nachhaltigkeitsziele gegeben. So soll der Umsatzanteil mit Next Generation Solutions - also Produkten und Lösungen, die hinsichtlich ihres Nachhaltigkeitsnutzens über oder sogar deutlich über Marktniveau liegen - bis 2030 auf über 50 Prozent steigen. Im gleichen Zeitraum sollen 700 Millionen € in Next Generation Technologies fließen. Das sind insbesondere Maßnahmen in Anlagen und Infrastruktur, mit denen die CO2-Emissionen weiter reduziert werden sollen. Außerdem will Evonik die Scope-1- und Scope-2-Emissionen im Zeitraum 2021– 2030 um 25 Prozent und die Scope-3- Emissionen um rund 11 Prozent senken, validiert durch die Science Based Targets initiative (SBTi). Der Konzern hat auch seine Innovationsstrategie stärker auf das Thema Nachhaltigkeit fokussiert: Die drei Innovationswachstumskerne biobasierte Lösungen, Energiewende und Kreislaufwirtschaft sollen bis zum Jahr 2032 bezogen auf 2023 einen zusätzlichen Umsatz von 1,5 Milliarden € erreichen.