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Nah am Wasser gebaut

Lesedauer 6 min
19. Oktober 2026

Wenn Ed Harris mit dem Boot auf den Theodore Industrial Canal hinausfährt, geht es nicht ums Angeln. Er sammelt Umweltdaten, die dazu beitragen, einen der größten Evonik-Produktionsstandorte sicher und verantwortungsvoll zu betreiben.

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Von Kelly Miears

Kommunikationsexpertin bei Evonik

Der Theodore Industrial Canal ist vermutlich nicht der erste Ort, der einem beim Thema industrielle Fertigung in den Sinn kommt. Für Ed Harris gehört er jedoch fest zum Arbeitsalltag. Als Leiter des Environmental Bio Lab verbringt Harris einen Teil des Jahres damit, Umweltdaten aus dem Kanal zu sammeln und damit Systeme zu überwachen, die den Betrieb des Evonik-Standorts in Mobile, Alabama, unterstützen.

Seine Arbeit macht deutlich, was oft übersehen wird: Der Erfolg eines Produktionsstandorts hängt von weit mehr ab als von Anlagen und Maschinen. Er beruht auch auf Menschen, wissenschaftlichem Know-how und Umweltkompetenz, die täglich im Hintergrund wirken.

Das Boot auf dem Kanal.

Ein Berufsweg im Wandel

Ed Harris arbeitet seit 1999 am Standort Mobile. Nach seinem Geologiestudium begann er seine Laufbahn im Bereich Umweltanalytik und reiste durch Nordamerika, um Emissionsmessungen in Industrieanlagen durchzuführen. Als organisatorische Veränderungen neue Möglichkeiten eröffneten, wechselte er in das Environmental Bio Lab des Standorts. Dort beschäftigt er sich seit mehreren Jahren mit Umweltmonitoring und der Überwachung der Abwasserbehandlung.

Heute leitet Harris das Tagesgeschäft des Environmental Bio Lab. Er unterstützt das Laborteam, behebt technische Probleme, betreut Überwachungssysteme und stellt sicher, dass Umweltberichte fristgerecht erstellt werden. Ein Großteil seiner Arbeit findet im Hintergrund statt. Besonders sichtbar wird sie jedoch draußen auf dem Wasser.

Ed Harris am Steuer des Bootes.

Was die Daten verraten

Von Mai bis November erheben Harris und sein Team drei Mal pro Woche Umweltdaten im Theodore Industrial Canal. Mithilfe spezieller Messgeräte erfassen sie wichtige Parameter wie Temperatur, pH-Wert, Salzgehalt, Leitfähigkeit, Trübung und den Gehalt an gelöstem Sauerstoff in verschiedenen Wassertiefen. Gerade der gelöste Sauerstoff ist von besonderer Bedeutung: Er beeinflusst das Leben im Wasser direkt und spielt eine Rolle bei einem einzigartigen Naturphänomen der Region, dem sogenannten Mobile Bay Jubilee. Dabei treiben sauerstoffarme Bedingungen Meereslebewesen in die flachen Uferbereiche.

Die Messungen liefern ein aktuelles Bild der Umweltbedingungen und ergänzen zugleich einen Datensatz, der sich über Jahrzehnte erstreckt. Diese Langzeitdaten dokumentieren nicht nur die Umweltleistung des Standorts, sondern unterstützen auch die Einhaltung regulatorischer Anforderungen.

Ed Harris hält eine etwa 50 Zentimer lange Sonde in der Hand.

Für Harris bieten die Fahrten zudem eine besondere Perspektive auf den Standort und seine Umgebung. „Am liebsten fahre ich mit diesem Boot hinaus“, sagt er. Dabei begegnet das Team regelmäßig Wildtieren der Golfküste, sodass keine Fahrt der anderen gleicht.

Doch die gesammelten Informationen dienen weit mehr als der reinen Umweltbeobachtung.

Das Environmental Bio Lab spielt eine wichtige Rolle für die Abwasserbehandlung am Standort Mobile. Durch regelmäßige Probenahmen, Toxizitätstests und Leistungsüberwachung trägt das Labor dazu bei, dass das biologische Reinigungssystem zuverlässig funktioniert. Dieses System nutzt natürlich vorkommende Mikroorganismen, um Abwasser aufzubereiten, bevor es im Einklang mit den behördlichen Genehmigungen eingeleitet wird.

Ein Schwarm Pelikane sitzt am Ufer.

Belastungen verstehen und verringern

Da es sich um einen biologischen Prozess handelt, ist Beständigkeit entscheidend. Die vom Labor erzeugten Daten helfen den Produktionsbetrieben, die Auswirkungen ihrer Abwasserströme auf das Behandlungssystem besser zu verstehen. Dadurch ergeben sich Möglichkeiten zur Optimierung an vielen Stellen des Standorts.

„Die Daten und Ergebnisse aus unseren Abwässern und unser biologischer Behandlungsprozess helfen den einzelnen Geschäftsbereichen, ihre Abwasserströme zu verbessern. So können sie die Belastung, die sie für unsere Kläranlage verursachen, besser verstehen und verringern“, erklärt Ed Harris.

So bildet das Environmental Bio Lab eine wichtige Schnittstelle zwischen Umweltschutz und operativer Exzellenz. Durch die Überwachung von Systemen und die Bereitstellung wertvoller Erkenntnisse unterstützt Harris gemeinsam mit seinem Team einen zuverlässigen Betrieb zahlreicher Produktionsanlagen am Standort Mobile.

Eine Öffnung mit etwa 10 Zentimertern Durchmessser in die ein Kabel führt.

Die Menschen machen den Unterschied

Auf die Frage, was über seine gesamte Laufbahn hinweg konstant geblieben sei, verweist Harris auf die Menschen, mit denen er zusammenarbeitet.

„Wenn man die Menschen mag, mit denen man arbeitet, macht auch die Arbeit selbst mehr Freude“, sagt er.

Im sogenannten "Manufacturing Month", einem Aktionsmonat, der jedes Jahr im Oktober in den Vereinigten Staaten stattfindet, werden die Mitarbeitenden gewürdigt, die zum Erfolg von Evonik beitragen. Die Geschichte von Ed Harris verdeutlicht dabei eine wichtige Erkenntnis: Erfolgreiche Produktion hängt von weit mehr ab als von den eigentlichen Fertigungsprozessen. Labore, Abwasserbehandlungssysteme und Umweltmonitoring sorgen im Hintergrund dafür, dass Anlagen sicher, verantwortungsvoll und effizient betrieben werden können. Mit seinem Engagement für die Überwachung dessen, was zählt, leistet Ed Harris dazu jeden Tag einen wichtigen Beitrag.

Das Team im Labor

Jubilee: Wenn dem Wasser der Sauerstoff ausgeht

Unter den vielen Messgrößen, die im Kanal erfasst werden, gehört der Gehalt an gelöstem Sauerstoff (Dissolved Oxygen, DO) zu den aufschlussreichsten. Er beschreibt die Menge an Sauerstoff, die Fischen, Garnelen, Krabben und anderen Wasserlebewesen zum Atmen zur Verfügung steht. Der Sauerstoffgehalt kann stark schwanken und wird unter anderem von Wetterbedingungen, Wassertemperatur, Sonneneinstrahlung, Wind und Niederschlag beeinflusst.

Phasen mit niedrigem Sauerstoffgehalt treten im Gebiet der Mobile Bay regelmäßig auf und stehen in Zusammenhang mit einem der bemerkenswertesten Naturphänomene der Region: dem sogenannten Jubilee.

Ein Jubilee entsteht, wenn der Sauerstoffgehalt des Wassers rasch absinkt. Fische, Garnelen, Krabben und andere Meerestiere weichen dann in flachere Uferbereiche aus, in denen mehr Sauerstoff verfügbar ist. Dort lassen sie sich besonders leicht fangen.

Obwohl ähnliche Ereignisse auch an anderen Orten dokumentiert wurden, zählt die Mobile Bay zu den wenigen Regionen weltweit, in denen Jubilees regelmäßig auftreten.

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